Lothar Lustig, die Holtenauer Lachmöwe, sitzt auf der Lehne einer Bank an der Holtenauer Schleusenwiese und genießt die letzten warmen Sonnenstrahlen des Herbstes; da kommt Ruthchen Ratlos, die Kieler Rathaustaube, eingeschwebt und landet mit lautem Flügelschlag neben Lothar. Sie trägt einen Umschlag im Schnabel und flattert aufgeregt mit den Flügeln.
Ruthchen Ratlos: Lothar, Lothar, sieh nur, wir haben Post bekommen!
Lothar Lustig: Der Brief im Schnabel steht dir richtig gut. Wechsel doch zu den Brieftauben, die sitzen nicht so viel rum wie die Rathaustauben und setzen nicht so leicht an. Wer schreibt uns denn was?
Ruthchen Ratlos: Ganz aus Bremen schreibt einer zu dem schwarzen Rauch aus
den Schiffsschornsteinen, das lese ich jetzt einfach mal vor:
"Liebes Ruthchen (das bin ich!), lieber Lothar (das bist Du!),
Eure Glossen sind herrlich und immer wieder gut zu lesen. Auch in der
Ausgabe Nr. 23 habt Ihr eine Misere angesprochen, die vielen bestimmt nicht
bewusst ist. Gut so!!! Aber, wenn Ihr Zahlen und Fakten nennt, dann sollten
sie auch aus der Vogelperspektive stimmen!!
Richtig ist, dass sich auch die Schifffahrt immer strengeren
Abgasvorschriften stellen muss. In der ökologisch besonders sensiblen Ostsee
dürfen Schiffe seit Mai 2006(!!!) nur noch Schweröl mit dem maximalen
Schwefelgehalt von 1,5% verwenden. Das gilt auch für den Nord-Ostsee-Kanal.
Ab August 2007 soll dieser Wert für die Nordsee und den Englischen Kanal
eingeführt werden. Weltweit gilt hingegen der Grenzwert von 4,5%. Das hat
die IMO, eine internationale Seeschifffahrtsorganisation, mit Annex IV des
MARPOL-Übereinkommens geregelt. Die Ostsee ist eines der sogen. SECA-Gebiete
(SOx Emission Control Area). Wer hier die Grenzwerte nicht einhält, riskiert
Bußgelder bis zu 50.000,--. Es tut sich also etwas.
Was Ihr wohl meint, ist die Tatsache, dass die Schiffe im Hafengebiet und
besonders im Kanal im Unterlastbereich mit ihren Maschinenanlagen fahren,
weil sie Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten müssen. Damit blasen sie
besonders russhaltige Abgase (schwarzer Qualm) und unverbrannten Treibstoff
(hellblauweißer Qualm) in die Luft, die sich je nach Windrichtung über
Holtenau (und natürlich auch überall entlang des Kanals) niederschlagen.
Wie Ihr seht, sind der Teer- und Schwefelgehalt insgesamt wohl
"runtergeregelt", aber in Eurem Fluggebiet nicht der Ausstoß der schädlichen
Partikel in Form von Ruß und Brennstoffminitröpfchen, liebes Ruthchen und
lieber Lothar. Wenn Ihr Euch in Holtenau auf einen Dachfirst setzt, dann
werden Eure Füße schwarz.
Vielleicht klärt Ihr die Holtenauer, die es nicht wissen und die durch Eure
Glosse vielleicht verunsichert sein könnten, ja mal darüber auf.
Viele Grüße von Bremen nach Kiel von einem Butenholtenauer."
Lothar Lustig: Wenn ich es richtig verstanden habe, heißt das also, dass lediglich vorgeschrieben ist, was in den Schiffstank reinkommt, aber nicht das, was zum Schornstein wieder rauskommt. Und je langsamer die Schiffe fahren, umso mehr Dreck kommt da raus, und zwar entlang des gesamten Kanals.
Ruthchen Ratlos: Schneller dürfen die im Kanal aber nicht fahren und an der Schleuse anhalten müssen die doch auch, oder kann man die Tore einfach offen lassen?
Lothar Lustig (schmunzelnd): Nee, dann läuft bei Ebbe in der Nordsee doch die Förde leer.
Ruthchen Ratlos: Witzbold. Aber irgendetwas muss man doch dagegen tun können?
Lothar Lustig: Hatten wir doch schon letztes Mal: Nicht nur sauberer Sprit, sondern auch Abgasfilter in alle Pötte. Bis dahin: Öfters mal waschen, nicht zu tief durchatmen und den Verantwortlichen genau soviel Dampf machen, wie hier die Dampfer machen.
Autor: Ironimus
© Arbeitskreis PRO HOLTENAU 2006