Liebe Kinder,
es gibt eine neue Geschichte aus Holtenau! Am Freitag saß ich in der Küche - da ist ein großes Fenster mit einem Tisch davor – zusammen mit meiner Freundin Johanna. Es war nachmittags, wir tranken Tee und plauderten. Da klopfte es am Fenster... ich zog die Gardine zur Seite und sah einen grauen Vogelkopf mit langem Hals und schwarzem Schnabel! Johanna und ich nahmen ein paar Scheiben Brot und gingen nach draußen. Es war ein Jungschwan! Er (oder sie) war so groß wie ein ausgewachsener Schwan, nur ganz grau, also noch mit Kinderfederkleid. Er sah uns an, dann kam er näher, und Johanna gab ihm das Toastbrot.
Offensichtlich hatte er Riesenhunger. Johanna ist ziemlich groß, aber ich bin eher klein. Als er zu mir kam und seinen Hals lang streckte, da konnte ich direkt in seine glänzenden schwarzen Knopfaugen schauen. Aber er war ganz freundlich und zutraulich. Ihr wisst wahrscheinlich, dass erwachsene Schwäne auch Menschen angreifen können, wenn sie sich bedroht fühlen.
Jedenfalls hatte dieser Jungschwan keine Angst vor uns und watschelte hin und her in unserer kleinen Gasse. Ich meinte, wir sollten ihn besser nicht füttern, denn er würde immer wieder vom Kanal zu uns kommen - ob er dann auf die Autos auf der Kanalstraße achten würde? Warum er von seinen Eltern weggegangen war, weiß ich nicht. Eigentlich bleiben auch die älteren Schwanenkinder bei Mutter und Vater, bis sie eine eigene Familie gründen. Vielleicht wollte er einfach ein Abenteuer erleben?
Johanna und ich gingen wieder ins Haus und tranken weiter unseren Tee. Sammy, der Schwan, blieb in der Nähe vom Fenster, und wir hörten seine großen platten Füße, die ‚platsch, platsch’ auf und ab gingen... Ein Mann ging mit einem aufgeregten Hund vorbei, aber Sammy hielt weiter Wache vor unserem Fenster. Als es dunkel wurde, ging er langsam herunter zur Ecke, und dann ist er wohl zum Kanal zurückgegangen. Falls er wiederkommt, erzähle ich es euch. Ich gehe gleich runter zum Kanal und sehe nach, ob er da ist, denn Sammy ist schon ein ganz besonderer Schwan!
Bis zum nächsten Mal,
mit ganz lieben Grüßen von
Noni
© Arbeitskreis PRO HOLTENAU 2007