Neues aus der Vogelperspektive

Lothar Lustig, die Holtenauer Lachmöwe und Ruthchen Ratlos die Kieler Rathaustaube kreisen über Holtenau. Es ist wunderschönes Wetter und aus der Vogelperspektive ist viel Leben auf den Straßen in Holtenau auszumachen. Auch die Hubschrauber sind in Bewegung und drehen ihre Platzrunden über Holtenau.

Ruthchen: Das wird mir in der Luft langsam zu brenzlig. Lass uns mal irgendwo landen, sonst lassen wir hier noch Federn oder mehr...

Lothar: Du hast recht. Am Boden ist es vielleicht etwas ruhiger. Dass die Hubschrauberpiloten aber auch immer dann üben müssen, wenn die Sonne scheint und Mann und Maus draußen sind. Bei schlechtem Wetter kommen die nicht aus ihren Löchern.

Beide Vögel lassen sich auf der Dachrinne des Packhauses nieder und schon wieder knattert ein Hubschrauber dicht über ihren Köpfen.

Ruthchen: Das nächste Mal nehme ich mir Ohrenstöpsel mit nach Holtenau. Müssen die denn ausgerechnet hier über den Wohnhäusern üben?

Lothar: Sie könnten wohl auch auf andere Plätze fliegen, müssten sich dort aber womöglich mit anderen absprechen. Das kostet mehr Sprit und Zeit und ist umständlich. Warum sollte die Bundeswehr sich das antun?

Ruthchen: Weil das ständige Geknatter doch ein Hammer für alle ist. Ich finde es bei euch in Holtenau sowieso schon zu laut und stinkig durch die Bundesstraße und die vielen Schiffe im Kanal. Da ist es bei mir mitten in der Stadt aber an vielen Stellen gemütlicher.

Und während Ruthchen sich so richtig aufregt, fängt das Packhaus an zu zittern. Die Vögel schauen neugierig von der Dachrinne aus nach unten: Ein riesiger LKW mit Kies rumpelt in einer Staubwolke über das alte Kopfsteinpflaster. Weitere Baufahrzeuge folgen.

Ruthchen: Auch das noch! Jetzt kriegen wir es von oben und von unten. Aber zum Glück kann ich ja wegfliegen!

Lothar hält Ruthchen schnell an einer Feder fest: Halt stopp, Ruthchen, jetzt bleibst du hier erstmal sitzen! Das da unten haben uns nämlich die Rathaustauben eingebrockt.

Ruthchen: Wieso? Was haben wir denn mit den Baufahrzeugen zu tun?

Lothar: Ihr habt vor zwei Jahren gepennt und nicht auf uns hören wollen, als das Baugelände verkauft werden sollte. Man hätte den Bund verpflichten müssen, das Baugrundstück nur mit vernünftiger Zugangsstraße zu verkaufen. Und nun haben wir den Salat.

Ruthchen: Dramatisier’ doch nicht so! Die paar LKW. Das dicke Packhaus wird davon schon nicht umfallen Irgendwann sind die mit dem Bauen fertig und dann wird es schon wieder ruhiger und viel schöner als mit den ollen Kasernen.

Lothar: Genauso hat man damals auch geredet: "Wird nicht schlimmer als Blätterrauschen". Und tatsächlich: Öffnet man die Nordfenster in deinem Rathaus, und horcht in Richtung Holtenau: Reines Blätterrauschen! Man muss eben nur weit genug weg sein.

Autor: Ironimus

© Arbeitskreis PRO HOLTENAU 2007