Lothar Lustig, die Holtenauer Lachmöwe und die Kieler Rathaustaube Ruthchen Ratlos haben sich von ihrer langen Urlaubsreise von Neuseeland über Südafrika nach Kolumbien immer noch nicht erholt. Flügellahm und völlig erschöpft sitzen sie auf der Kohlepier des Kieler Kohlekraftwerkes auf dem Ostufer.
Ruthchen: Von wegen 'Lass uns im Urlaub doch īmal gucken, wo die Kohle für das neue Kraftwerk herkommt'. Hätte ich gewusst, dass wir dafür eine Weltreise machen müssen, wäre ich hier geblieben und hätte Urlaub in Laboe gemacht.
Lothar: Immerhin hast du jetzt eine Vorstellung davon, was es bedeutet, wenn mit dem Neubau eines Mega-Kohlekraftwerks mit billiger Kohle von weit her "Kohle" gemacht werden soll.
Ruthchen: Und ob, da geht ja schon für den Transport jede Menge Energie verloren, von dem Ausstoß der schädlichen Klimagase gar nicht zu sprechen. Und du meinst, damit kann man Geld verdienen? Verbrauchen denn die Menschen hier in Kiel so viel Strom?
Lothar: Sieht nicht so aus. Die kommen mit der Größe der jetzigen Kraftwerke gut klar und werden im Energiesparen vielleicht noch so gut, dass künftig sogar weniger Strom gebraucht wird. Stromsparen ist "in", weil es für den Klimaschutz dringend nötig ist.
Ruthchen: Ja, aber wer will denn ein viel zu großes Kraftwerk mit doppelt so viel schädlichen Abgasen in die Stadt bauen, wenn die Leute hier das gar nicht brauchen und großen Wert auf gute Luft legen?
Lothar: Das will wohl Stromgigant E.ON, dem gehört die eine Hälfte des Ostuferkraftwerkes. Der will den vielen Strom, den die Kieler nicht brauchen, überall hin verkaufen. Luftbelastung hin oder her, Hauptsache, die Kohle stimmt.
Ruthchen: Ja, aber die andere Hälfte gehört doch noch den Kielern, oder?
Lothar: Gott sei Dank! Zum Glück hat man damals nicht die ganzen Kieler Stadtwerke an Auswärtige verschachert. Die Hälfte ist noch fest in Kieler Hand!
Ruthchen: Und was halten die davon?
Lothar: Die Stadtwerke-Leute denken wohl etwas anders darüber. Schließlich wohnen doch alle hier mit ihren Familien, anders als bei den EON-Leuten, die wohnen weit weg. Aber schwarze "Kohle"-Zahlen würden sie auch gerne schreiben, ganz zu schweigen vom Stadtkämmerer, der mit dem Gewinn der Stadtwerke die roten Haushaltszahlen der Stadt aufbessert.
Ruthchen: Da fällt mir ein, die Stadtwerke können gar nicht mehr für schmutzige Kohleverbrennung sein, denn die machen doch die tolle Kiel-Werbung in der Zeitung mit dem Segelcamp: Blauer Himmel, blaues Wasser, frischer Wind und fröhlich segelnde Kinder!
Lothar: Richtig! Aber so mancher hat sich schon den eigenen (Kunden-)stamm abgesägt auf dem er sitzt.
Autor: Ironimus
© Arbeitskreis PRO HOLTENAU 2007