Für seine Diplomarbeit an der Muthesiusschule war Hendrik Pogoda auf der Suche nach einem maritimen Thema und wurde in Holtenau fündig. Zwar sind die Kasernengebäude längst abgerissen und ein großer Investor setzt derzeit schon eigene Pläne um. Jedoch ist dies kein Hindernis für eine Diplomarbeit, die nicht darin besteht, dass die Entwürfe auch tatsächlich umgesetzt werden können, vielmehr soll eine möglichst reale Aufgabe, in diesem Fall eine Konzeption für das Unterland, entwickelt und als Konzept präsentiert werden. Die hier vorgestellte Arbeit ist für Holtenau von einem besonderen Reiz und ProHoltenau sprach aus diesem Grund mit Hendrik Pogoda.
ProHoltenau: Hendrik, was war Ihr erster Eindruck, als Sie sich das Holtenauer Unterland angesehen haben?
Hendrik Pogoda: Als ich auf der großen Fläche stand, da war ich beeindruckt von der Weite und vom Ausblick, den man in alle Richtungen auf das Wasser hat. Es ist eine ganz besonders reizvolle Lage.
ProHoltenau: In welcher Form wird dieser Aspekt im Entwurf berücksichtigt?
Hendrik Pogoda: Die Bebauung habe ich am Wasser niedrig gehalten und ich lasse sie zum Hang hin ansteigen. Am Wasser sind eingeschossige Gebäude vorgesehen, am Hang sind es vier Geschosse mit Dachterrasse. Alle Häuser haben einen Sichtbezug zur Förde. Einige Teile der Bebauung ziehen sich bis auf das Wasser hinaus, damit habe ich dem Grundstück auch etwas hinzugefügt und Raum gewonnen.
ProHoltenau: Ihr Modell zeigt ja auch zwei Kanäle, die erst noch ausgebaggert werden müssten, was hat es damit auf sich?
Hendrik Pogoda: Ich habe nicht nur die Bebauung bis auf das Wasser hinaus geführt, sondern mit den Kanälen auch das Wasser in das Grundstück gebracht. Hier besteht die Möglichkeit, Hausboote an einem Wohnort zu integrieren. Durch diese Kanäle und den Hafen erhält der Ort seine Identität, die insbesondere für an einer Immobilie interessierte Segler eine Bedeutung hat.
ProHoltenau: Auffällig ist, dass die Häuser jeweils auf kleine Hügel gesetzt wurden, warum?
Hendrik Pogoda: Um den maritimen Charakter des Ortes zu unterstreichen, habe ich die Häuser auf Warften gesetzt. Die Warften werden über eine Rampe erschlossen, haben einen Innenhof, sie sind als Stellplatz für Autos und Wohnraum nutzbar. Durch die Anordnung der Warften ist ein abwechselndes Auf und Ab sichtbar und keine abgrenzende Mauer.
ProHoltenau: In Ihrem Modell sehen wir neben den Wohnhäusern auch einen kleinen Yachthafen, welche Details sind dort vorgesehen und wie sieht es mit der Infrastruktur allgemein aus?
Hendrik Pogoda: Am Wasser habe ich eine Bootswerkstatt sowie ein Waschhaus für Wassersportler (WC, Duschen und Sauna) geplant. In diesem Bereich gäbe es auch zusätzliche Parkmöglichkeiten. Zu den Einrichtungen der Infrastruktur zählen ein Gästehaus sowie ein Restaurant. Außerdem erhalte ich die Südwache, hier wäre ein Laden denkbar, im ehemaligen Gebäude der Seegerichtsbarkeit habe ich einen Anbau vorgesehen und dort könnte ein Ärztehaus mit Kindertagesstätte entstehen.
ProHoltenau: Wie viele Wohneinheiten sind in ihrem Entwurf vorgesehen?
Hendrik Pogoda: Ich gehe in meinem Entwurf von 100 Wohneinheiten, eher weniger, aus. Eine höhere urbane Dichte ist an diesem Ort nicht sinnvoll, denn Holtenau ist in seiner Bauweise kleinteilig, dies ist ja auch eine Frage des Anwohnerverkehrs, der nach Norden hin abgewickelt werden sollte. Mein Entwurf ist so angelegt, dass er sich in Richtung Norden öffnet und hier auch weiter entwickelt werden kann.
ProHoltenau: Wir danken für das Gespräch und wünschen für die berufliche Zukunft viel Erfolg.
Text: Björn Sander
Fotos/Abb.: Pogoda, Sander
© Arbeitskreis PRO HOLTENAU 2007